S2E6 FREL-ABC Selbstmitgefühl, Gefühle, Bedürfnisse
08.10.2026 20 min
Zusammenfassung & Show Notes
Wenn wir über Gewaltfreie Kommunikation sprechen, so wie in der Episode S2/E4 mit Christin, dann gibt es drei Begriffe, die immer wieder aufgetaucht: Selbstmitgefühl. Gefühle. Bedürfnisse.
Deshalb nehme ich sie auf in das ABC des FREL-Coachings und gebe dir gleichzeitig den Raum, um wirklich zu spüren, was sie für dich bedeuten.
„Selbstempathie vor Fremdempathie", was das mit deinem Nervensystem zu tun hat und welche Botschaft deine Gefühle für dich haben, all das erwartet dich in dieser Folge.
Erwähnte Quellen & Links:
- Zum Gespräch mit Christin Wander: S2/E4 Scheitern, Selbstempathie & Wiederverbindung
- Kristin Neff: Selbstmitgefühl. Wie wir uns mit unseren Schwächen versöhnen und uns selbst der beste Freund werden, Kailash 2012 | selfcompassion.org
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Transkript
Es gibt Momente, da hältst du inne.
Mitten in deinem Mamaalltag,
mitten im Lärm und etwas in dir
fragt leise: Geht das auch anders?
Hallo, ich bin Julia, selbst zweifache
Mama, Coach für friedvolle Elternschaft
und deine Begleiterin in diesem Podcast.
Friedvolle Elternschaft, das
klingt vielleicht nach einem
Ziel, das du noch vor dir hast.
Aber ich glaube, es beginnt nicht damit,
wie du mit deinen Kindern umgehst, sondern
es beginnt damit, wie du mit dir umgehst.
Genau das ist der rote Faden
in dieser Podcast-Staffel.
Wir beginnen dort, wo alles beginnt: in
deinem Körper, in deinem Nervensystem,
in dem, was dich trägt oder erschöpft.
Und von dort aus schauen wir
gemeinsam nach außen auf die
Rollen, die du ausfüllst, auf
die Welt, in der du Mutter bist.
Auf das, was friedvolle
Elternschaft wirklich bedeutet.
Nicht mit der Perfektion als
Ziel, sondern als eine Haltung für
dich und deine Lieblingsmenschen.
Ich freue mich, dass du dabei bist.
Lass uns in die neue Folge starten.
In der vorletzten Folge, dem Gespräch
mit Kristin über die gewaltfreie
Kommunikation, da sind drei Begriffe immer
wieder aufgetaucht, die ich gerne ins
ABC des FREL® Coachings aufnehmen will.
Und zwar Selbstempathie,
Gefühle und Bedürfnisse.
Wir haben sie in unserem Gespräch
erwähnt, ähm, aber immer nur so gestreift
und deswegen hatte ich das Gefühl,
die dürfen noch mal ein bisschen mehr
Raum bekommen, damit du als Hörerin
jeweils noch mal 'n bisschen genauer
reinspüren kannst, welche Bedeutung
und vielleicht auch welche Botschaft
diese Begriffe für dich persönlich haben
und wie sie in einem wohlklingenden
Akkord zusammenfinden können.
Lass uns anfangen.
Kristin hat in unserem Gespräch
einen kleinen prägnanten Merksatz
eingestreut, der vielleicht
auch bei dir noch nachklingt:
„Selbstempathie vor Fremdempathie."
Das klingt beim ersten Hören und
vor dem Hintergrund unserer Prägung
vielleicht erst mal paradox,
aber beim genaueren Hinsehen doch
eigentlich vollkommen logisch.
Ich kann ja nur für andere
empathisch sein, wenn ich zuerst
mit mir selbst in Kontakt bin.
Und trotzdem geht es nicht plakativ
darum, dass ich mir selbst etwas gönne,
bevor dann die anderen drankommen,
sondern darum, dass Empathie, echte
spürbare Empathie nur aus einem Ort
kommen kann, der selbst gefüllt ist.
Wenn mein eigenes inneres Haus leer ist,
kann ich zwar noch Dinge tun für mein
Kind, ich kann so gesehen funktionieren,
aber da ist kein Resonanzraum mehr.
Kristin Neff ist eine Forscherin für
Selbstmitgefühl und sie beschreibt
drei Elemente des Selbstmitgefühls,
die ich jetzt mal ein bisschen
in meine eigene Sprache packe.
Da ist zum einen die Ebene der
Freundlichkeit sich selbst gegenüber.
Also eine Stimme, die sagt:
„Das ist gerade schwer. Das
darf auch schwer gewesen sein."
Nicht: „Das hätte ich besser machen
sollen." Eine andere Ebene ist das Wissen
um unsere gemeinsame Menschlichkeit.
Also der Gedanke, dass ich mit meinen
Momenten der Erschöpfung, des Versagens,
des Zuvielwerdens nicht allein bin.
Dass das, was mich gerade stolpern
lässt, auch andere stolpern lässt,
überall auf der Welt und sogar
genau jetzt in diesem Moment.
Ich bin nicht allein.
Und die dritte Ebene ist
die Ebene der Achtsamkeit.
Das Wahrnehmen dessen, was gerade
ist, ohne es zu dramatisieren,
aber auch ohne wegzuschauen.
Einfach, da ist etwas und ich bemerke es
Ich möchte kurz bei diesem
zweiten Punkt bleiben.
Es gibt diesen Moment, wenn etwas
schiefgeht, wenn ich zu laut war,
zu ungeduldig, wenn der Tag mich
einfach geschluckt hat und wo dann die
innere Stimme sofort anfangen möchte,
aufzuzählen und mir vorzuhalten:
Was hätte ich anders machen können?
Was hätten andere Mütter in
dieser Situation wohl getan?
Selbstmitgefühl sagt nicht: "War doch
alles gut, Schwamm drüber." Es sagt:
"Ich sehe, dass das gerade schwer
war und ich bin nicht alleine damit."
Das ist nicht nur ein Gefühl, es
ist auch ein körperlicher Zustand.
In der ersten Folge dieser Podcast-Staffel
hab ich ja über das Nervensystem
gesprochen, über den Unterschied
zwischen Verbindung und Überlebensmodus.
Und Selbstmitgefühl
reguliert das Nervensystem.
Wenn ich mich nicht verurteile für das,
was gerade schwer ist und mich weiter
antreibe mit Sätzen, die alle mit „Ich
muss" beginnen, sondern mich mir selbst
verständnisvoll zuwende, dann signalisiert
das meinem Körper: Ich bin sicher.
Ich muss mich nicht
verteidigen oder kämpfen
Und von da aus, nur von da aus,
kann ich wirklich präsent sein.
Für mich und für die
Menschen um mich herum
Was sagt deine innere
Stimme gerade zu dir?
In den Momenten, in denen
du an deine Grenzen kommst.
Klingt sie wie eine gute
Freundin oder wie eine Richterin?
Kommen wir zum nächsten Begriff
in unserem heutigen Dreiklang.
Gefühle haben eine Aufgabe.
Sie sind keine Laune, kein
Störgeräusch, kein Zeichen von Schwäche.
In der gewaltfreien Kommunikation
sind sie Hinweisgeber.
Sie zeigen mir, wo gerade ein
Bedürfnis erfüllt ist oder nicht.
Freude, Erleichterung, Dankbarkeit – das
sind Signale, dass gerade etwas stimmt.
Erschöpfung, Wut, Trauer oder
Unruhe – das sind Signale, wenn
etwas fehlt oder verletzt ist.
Das ist auf der einen Seite einfach
und gleichzeitig ist es für viele
Menschen mittlerweile eine der
schwierigsten Sachen überhaupt.
Wirklich in sich hineinzuhören, was
diese Gefühle uns mitteilen wollen
In der gewaltfreien Kommunikation
gibt's nämlich auch den Begriff
der Pseudogefühle, den ich sehr
hilfreich für das Verständnis und
diesen Zugang zu Gefühlen finde
Wenn ich zum Beispiel sage: "Ich
fühle mich übergangen", dann klingt
das zwar wie ein Gefühl, ich fühle
mich, aber eigentlich sage ich
damit etwas über die andere Person.
Übergangen werden bedeutet, du
hast mich nicht berücksichtigt
und das ist eine Interpretation,
keine innere eigene Empfindung.
Ein echtes Gefühl braucht
keinen Schuldigen.
Es braucht nur mich, die es wahrnimmt
Traurig, erschöpft, überwältigt,
dankbar, ruhig, aufgewühlt, neugierig
Das sind Zustände, Körpersignale.
Mein Nervensystem sendet mir
mit dem Gefühl eine Botschaft
Und dann ist da noch dieses Phänomen, das
ich von mir selbst kenne und das ich auch
von anderen Müttern, die ich begleite,
oft zu Beginn unserer Zusammenarbeit höre.
Es passiert gerade so viel, der Tag
läuft, aber abends, wenn's dann still
wird, bricht plötzlich etwas auf.
Woher kommt das dann so plötzlich?
Die Gefühle waren die ganze Zeit da.
Wir hatten nur keine
Kapazität, um sie wahrzunehmen.
Das liegt an diesem
Autopiloten-Modus, in dem viele
Menschen tagsüber unterwegs sind.
Dieser Autopilot ist eine Schutzstrategie
unseres Nervensystems, das damit
dafür sorgt, dass wir überleben,
uns auf das konzentrieren, was
grade wichtig ist im Außen.
Und abends, wenn es dann ruhiger wird,
kann es sein, dass diese aufgelaufenen
Gefühle sich ihren Weg nach draußen suchen
Die Frage, die uns an dieser
Stelle also weiterhilft, ist
nicht: Wie hör ich auf zu fühlen?
Sondern: Unter welchen Bedingungen
kann ich fühlen, ohne auch
davon weggespült zu werden?
Und genau da hilft dann
auch das Selbstmitgefühl.
Gefühle können sich zeigen, wenn
sie nicht sofort bewertet werden.
Wenn ich nicht denke, das sollte ich
nicht fühlen, sondern einfach, da
ist etwas und ich lasse es da sein.
Erst mal noch ohne Strategie,
was ich dann damit mache
Auch das findet immer wieder
Raum in meinen Coachings.
Das eine oder wenn es mehrere sind, die
Gefühle erst mal nur da sein zu lassen.
Für viele schon eine ganz
ungewöhnliche Erfahrung
Und noch ein Gedanke, der mir an
der Stelle wichtig ist: Wenn ich
meine eigenen Gefühle nicht halten
kann, dann kann ich auch die meines
Kindes in der Regel nicht halten.
Nicht weil ich es nicht will,
sondern weil seine Tränen zum
Beispiel in mir gar kein Echo finden.
Wenn ein Kind weint und wir als
Erwachsene quasi dicht machen, dann
liegt das meistens nicht daran, dass uns
das Kind egal ist, sondern daran, dass
seine Gefühle etwas in uns berühren,
das wir selbst nicht ertragen können.
Und ich weiß, dass das eine sehr
ehrliche, vielleicht schonungslose
Botschaft ist, von der wir uns
vielleicht lieber verschließen wollen.
Aber die Arbeit an unserer eigenen
Gefühlswahrnehmung ist eine der
tiefsten Ebenen auch von Elternschaft
Jetzt kommen wir zu den Bedürfnissen
und wenn Gefühle die Hinweisgeber
sind, dann sind Bedürfnisse
eben das, worauf sie hinweisen.
Rosenberg hat in der gewaltfreien
Kommunikation einen sehr wichtigen
Unterschied beschrieben, über
den Kristin auch in unserem
Podcast-Gespräch gesprochen hat.
Bedürfnisse sind universell.
Strategien sind das, was jeder Einzelne
konkret tut, um sie zu erfüllen.
Und die können unterschiedlich sein.
Ein Beispiel aus dem ganz normalen
Alltag: Ich brauche Stille.
Das ist das Bedürfnis.
Und vielleicht versuche ich es zu
erfüllen, indem ich abends nach dem
Zubettbringen der Kinder noch eine
Stunde ganz für mich alleine wach bleibe.
Oder indem ich mich in
ein Zimmer zurückziehe.
Oder, und das ist die Version, die
manchmal einfach passiert, indem
ich vor Überforderung ausraste,
alle anbrülle, dass sie doch jetzt
mal die Klappe halten sollen.
Alle drei sind Strategien
für das gleiche Bedürfnis.
Die Strategie kann schiefgehen, aber das
Bedürfnis dahinter ist niemals falsch.
Und viele von uns haben entweder
früh etwas gelernt oder sind mit der
guten Absicht zu Beginn der Reise
ihrer Elternschaft gestartet und
haben daraus so eine Grundhaltung
entwickelt, die so ungefähr wie folgt
geht: Meine Bedürfnisse kommen zuletzt.
Erst das Kind, dann der Partner,
der Haushalt, die Arbeit und
dann, falls noch etwas übrig
ist, dann komme ich selbst dran.
Und da spielen wirklich teilweise schon
sehr alte Überzeugungen rein, wie wir
auch gesellschaftlich Mutterschaft
verstehen und eben teilweise,
was wir auch selbst erlebt haben.
Ein ganz typischer Glaubenssatz,
eine innere Stimme, die dann sagt:
„Du kannst jetzt nicht an dich
denken, das ist doch egoistisch."
Aber Fürsorge, die aus Erschöpfung
kommt, die brennt irgendwann aus.
Und sie hinterlässt Spuren in uns,
aber auch in den Kindern, die sehen,
wie wir mit uns selbst umgehen.
So kann man sich nämlich
auch unter anderem erklären,
warum wir heute so handeln.
Wir haben es bei unseren
Müttern so beobachtet.
So, und wie fang ich jetzt an, meine
eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen?
Ich denke, es ist nicht hilfreich, wenn
ich diese Frage für euch beantworte, denn
die Antworten sind wie unsere persönlichen
Prägungen sehr, sehr individuell.
Was ich sagen kann, es beginnt oft nicht
mit einer großen Erkenntnis, die dann
alles von jetzt auf gleich grundlegend
verändert, sondern es braucht erst mal
deine Bereitschaft, wirklich hinzuhören.
Und dafür kannst du mal folgende
Frage an dein Inneres richten
Was würde ich brauchen,
wenn alles möglich wäre?
Nicht, was realistisch ist,
nicht, was ich mir erlauben darf.
Einfach: Was würde ich brauchen,
wenn alles möglich wäre?
Lass die Antwort in dir auftauchen.
Vielleicht kommt sie sofort und
vielleicht braucht sie eine Weile.
Vielleicht lautet sie Ruhe oder
gesehen werden oder einfach
mal nicht entscheiden müssen
oder jemanden, der fragt, wie's mir geht
und wirklich auf meine Antwort wartet
All diese Antworten sind richtig.
Keine davon ist zu viel
Ich möchte zum Schluss die heutigen drei
Begriffe noch mal kurz zusammen sehen
Ich kann meine Bedürfnisse nur wahrnehmen,
wenn ich meinen Gefühlen zuhöre.
Und ich kann meinen Gefühlen nur
zuhören, wenn ich ihnen mit Mitgefühl
begegne, nicht mit Verurteilung
Wenn einer dieser drei Zugänge
versperrt ist, dann stockt
das gesamte Zusammenspiel.
Wenn ich meine Gefühle nicht wahrnehmen
darf, weiß ich nicht, was ich brauche.
Wenn ich meine Bedürfnisse nicht
kenne, kann ich nicht für mich sorgen
Und wenn ich nicht für mich sorge, dann
hab ich langfristig zu wenig zu geben
Ich danke dir, dass du bis
zum Ende zugehört hast.
Diese drei Begriffe, das hast du
gemerkt, ist keine Theorie, sondern du
könntest sie als Einladung verstehen,
dich selbst neu kennenzulernen.
Nicht als Mutter, die funktioniert,
sondern als fühlender Mensch
Und wenn dich diese Folge berührt
hat, wenn du mir 'n Feedback dalassen
will, dann schreib mir gerne.
Freu ich mich immer sehr drüber,
über Reaktionen auf, ja, das,
was in dir passiert, wenn du
meinen Worten hier lauschst.
Und wenn du tiefer einsteigen möchtest
in deinem Nervensystem, mit deinen
Gefühlen, in das, was du wirklich
brauchst, dann trag dich gerne für
meinen kostenlosen Minikurs ein.
Den Link dazu findest
du in den Show Notes.
Und ja, in der nächsten Folge werde
ich wieder eine Gästin mit dabei haben.
Zum Abschluss dieser Podcast-Staffel werde
ich mich mit Anna über den skandinavischen
Lebensstil austauschen und was davon
unser Familienleben bereichern kann.
Bis dahin, alles Liebe für dich.
Deine Julia
Zum Schluss noch ein Hinweis: Dieser
Podcast, der wird durch dein Feedback
und deine Erkenntnisse lebendig.
Also lass mir gern eine Bewertung da,
teile deine Gedanken entweder in den
Kommentaren oder schick mir 'ne Nachricht.
Und ja, mit einem Podcast-Abo und
einer Fünf-Sterne-Bewertung hilfst du
mir, auch noch mehr Mamas zu erreichen
und diese wundervollen und bewegenden
Gedanken rund um die friedvolle
Elternschaft in die Welt zu tragen.
Und denk daran, Frieden wächst von
innen und strahlt in die ganze Familie.
Bis zum nächsten Mal, deine Julia.