S2/E3 Gewalt in der Elternschaft - Grauzonen, innere Not und ehrliche Fragen
03.09.2026 15 min
Zusammenfassung & Show Notes
Dieses Thema ist eines der sensibelsten, die es in der Elternschaft gibt. Und gleichzeitig eines der wichtigsten. Denn fast alle Eltern kennen Momente, in denen sie nicht so reagiert haben, wie sie es sich gewünscht hätten.
In dieser Folge lade ich dich ein, ehrlich hinzuschauen - ohne Anklage, ohne Bewertung. Es geht nicht um Schuld. Es geht um Bewusstheit und Verantwortung.
Der Satz, der diese Folge trägt:
Friedvolle Elternschaft bedeutet nicht, perfekt zu sein -
Friedvolle Elternschaft bedeutet, wach, reflektiert und bereit zur Wiederverbindung zu sein.
Der Satz, der diese Folge trägt:
Friedvolle Elternschaft bedeutet nicht, perfekt zu sein -
Friedvolle Elternschaft bedeutet, wach, reflektiert und bereit zur Wiederverbindung zu sein.
Dieses Thema ist eines der sensibelsten, die es in der Elternschaft gibt. Und gleichzeitig eines der wichtigsten. Denn fast alle Eltern kennen Momente, in denen sie nicht so reagiert haben, wie sie es sich gewünscht hätten.
In dieser Folge lade ich dich ein, ehrlich hinzuschauen – ohne Anklage, ohne Bewertung. Es geht nicht um Schuld. Es geht um Bewusstheit und Verantwortung.
Der Satz, der diese Folge trägt:
Friedvolle Elternschaft bedeutet nicht, perfekt zu sein -
Friedvolle Elternschaft bedeutet, wach, reflektiert und bereit zur Wiederverbindung zu sein.
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Friedvolle Elternschaft bedeutet nicht, perfekt zu sein -
Friedvolle Elternschaft bedeutet, wach, reflektiert und bereit zur Wiederverbindung zu sein.
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Transkript
Es gibt Momente, da hältst du inne.
Mitten in deinem Mamaalltag,
mitten im Lärm und etwas in dir
fragt leise: Geht das auch anders?
Hallo, ich bin Julia, selbst zweifache
Mama, Coach für friedvolle Elternschaft
und deine Begleiterin in diesem Podcast.
Friedvolle Elternschaft, das
klingt vielleicht nach einem
Ziel, das du noch vor dir hast.
Aber ich glaube, es beginnt nicht damit,
wie du mit deinen Kindern umgehst, sondern
es beginnt damit, wie du mit dir umgehst.
Genau das ist der rote Faden
in dieser Podcast-Staffel.
Wir beginnen dort, wo alles beginnt.
In deinem Körper, in deinem Nervensystem,
in dem, was dich trägt oder erschöpft.
Und von dort aus schauen wir
gemeinsam nach außen auf die
Rollen, die du ausfüllst, auf
die Welt, in der du Mutter bist.
Auf das, was friedvolle
Elternschaft wirklich bedeutet.
Nicht mit der Perfektion als
Ziel, sondern als eine Haltung für
dich und deine Lieblingsmenschen.
Ich freue mich, dass du dabei bist.
Lass uns in die neue Folge starten.
Heute spreche ich über ein Thema, bei
dem ich erst mal unentschlossen war, wie
ich es hier im Podcast ansprechen kann.
Es klingt im ersten Moment hart
und viele Zuhörerinnen verspüren
wahrscheinlich direkt den Impuls, die
Stopp-Taste zu drücken und stattdessen
einen anderen Podcast zu hören.
Das kann ich gut verstehen und
gleichzeitig hoffe ich sehr, dass du
diesem wichtigen und berührenden Thema
heute trotzdem eine Chance gibst.
Es geht um Gewalt in der Elternschaft.
Jetzt weißt du, warum ich den Einstieg
heute so bewusst gewählt habe.
Das Thema ist deshalb so wichtig,
weil es fast alle von uns
angeht, mich eingeschlossen.
Das Thema hat Wucht und ich möchte
daher gleich zu Beginn etwas klarstellen
und ich meine das wirklich ernst.
Diese Folge ist kein Anklageraum.
Es geht nicht darum, schlechte
Eltern zu identifizieren.
Es geht nicht um Schuldzuweisung
und es geht auch nicht um Bewertung.
Mir geht es in dieser Folge um
Bewusstsein und um Verantwortung.
Das ist ein Unterschied und genau der
macht hoffentlich heute den Unterschied
und ermutigt dich dranzubleiben.
Und es geht heute etwas, das für mich im
Herzen von friedvoller Elternschaft liegt.
Friedvoll zu sein bedeutet
nicht, perfekt zu sein.
Friedvoll zu sein bedeutet
wach, reflektiert und bereit zum
Wiederherstellen der Verbindung zu sein.
Das ist der Satz, der uns heute
durch diese Folge begleiten soll
Was meine ich überhaupt mit Gewalt?
Lass mich kurz innehalten bei
dem Wort selbst, denn Gewalt,
das klingt groß, hart, eindeutig.
Aber in der Realität ist das
oft alles andere als eindeutig
Wenn wir über Gewalt in der Elternschaft
sprechen, gibt es meiner Meinung
nach drei verschiedene Ebenen.
Da ist natürlich die körperliche
Gewalt, der berühmte Klaps auf den
Po, das Festhalten gegen den Willen
des Kindes oder auch das Schütteln.
Das sind die Momente, die wir
am leichtesten erkennen und auch
klar benennen können, dass es
sich hierbei um Gewalt handelt.
Aber es gibt auch verbale
und emotionale Gewalt.
Anschreien, beschämen,
abwerten, drohen, Liebesentzug
Diese Form von Gewalt ist oft viel
weniger sichtbar, aber genauso prägend.
Und es ist gut möglich, dass du das
auch aus eigenem Erleben als Kind kennst
Und dann gibt es noch etwas,
das seltener erwähnt wird, und
zwar die strukturelle Gewalt.
Strukturelle Gewalt meint das
Machtgefälle, das wir Eltern
gegenüber Kindern immer haben,
ob wir's wollen oder nicht.
Wir sind die, die entscheiden.
Wir bestimmen und Kinder sind abhängig
Das ist noch keine Schuld, aber
es ist eine Verantwortung, derer
wir uns bewusst sein dürfen
Und jetzt kommt etwas, was ich für
wirklich wichtig halte: Absicht
und Wirkung sind nicht dasselbe.
Es kann tief verletzen, auch
ohne böse Absicht, auch wenn
du's nicht so gemeint hast.
Das macht die Verletzung nicht
weniger real für dein Kind.
Und gleichzeitig, und das sage ich aus
vollem Herzen: Viele Eltern greifen nicht
absichtsvoll zu gewaltvollen Maßnahmen.
Sie sind häufig überfordert.
Das ist ein Unterschied und
gleichzeitig kein Freifahrtsschein.
Aber es zu erkennen, ist ein Anfang,
und zwar ein ehrlicher Anfang
Die Grauzonen, die wir kennen.
Ich möchte jetzt einige Momente in
den Blick nehmen, ganz konkret, ganz
nah am Alltag, kein großes Drama,
keine extremen Fälle, sondern die
Dinge, die immer mal wieder passieren.
Laut werden.
Nicht weil du böse bist, sondern weil
in dir gerade etwas explodiert und
sich seinen Weg nach draußen sucht
Festhalten.
Wenn das Kind weglaufen will und du
weißt, dass es gerade gefährlich ist
oder auch wenn du einfach nicht mehr
weißt, was du sonst noch tun sollst
Drohen.
Dann gehe ich jetzt.
Dann kriegst du das nicht mehr.
Wenn du das noch einmal machst
Beschämen: Jetzt reiß
dich doch mal zusammen.
Stell dich nicht so an.
Dein Bruder macht das doch auch nicht
Und dann noch etwas, das oft gar
nicht als Gewalt bezeichnet wird.
Ignorieren.
Weggehen.
Alleine lassen.
Nicht, weil du bewusst strafen
willst, sondern weil nichts mehr geht
Ich nenne das alles nicht,
um Schuldgefühle zu erzeugen.
Das hab ich vorhin schon gesagt.
Ich nenne es, weil ich weiß, wir können
nur das verändern, was uns bewusst ist.
Und dafür müssen wir hinsehen,
auch wenn es schwerfällt.
Und deshalb ist die Frage, die ich
dir jetzt mitgeben möchte und du
musst sie gar nicht laut beantworten
Was passiert in mir,
kurz bevor ich so handle?
Was war auf dem Weg dahin
Es geht nicht darum zu
fragen: Was habe ich getan?
Sondern: Was hat mich dahin gebracht?
Die Brücke zum Nervensystem.
In der ersten Folge dieser Staffel
habe ich ja darüber gesprochen,
was passiert, wenn unser
Nervensystem unter Stress gerät.
Dann sind wir im Kampfmodus, im
Fluchtmodus oder auch in der Erstarrung.
Und ich glaube, das ist der
Schlüssel, um wirklich zu verstehen,
wovon wir heute auch sprechen.
Wenn dein Nervensystem im Alarmzustand
ist, also wenn es eine Bedrohung
wahrnimmt, dann verengt sich dein
Blick und auch dein Handlungsspielraum.
Du kannst dann nicht mehr auf das
zurückgreifen, was du heute als
Erwachsener eigentlich weißt, sondern du
greifst auf das zurück, was du kennst, was
in dir geprägt ist, was du gelernt hast,
damals, als du selbst noch ein Kind warst
Gewalt in solchen Momenten ist
also kein Charakterproblem,
es ist ein Ausdruck von Not.
Und ich möchte das sofort ergänzen,
weil es mir wirklich wichtig ist:
Erklären ist nicht entschuldigen.
Zu verstehen, warum etwas passiert,
das macht es insbesondere für
dein Kind nicht weniger schlimm.
Das nimmt die Verletzung nicht weg, aber
es macht etwas anderes möglich: Dass du
Verantwortung übernehmen kannst und nicht
in Schuld und Scham versinken musst.
Das Gefühl von Schuld und Scham sagt
dir: „Ich bin schlecht." Und die Haltung
von Verantwortung sagt: „Ich schau hin
und ich entscheide, was ich damit tue."
Innere Haltung statt schneller Lösungen
Ich höre manchmal den Wunsch: „Ich
will nie wieder so reagieren."
Und ich verstehe das wirklich.
Und gleichzeitig glaube ich, dass
dieser nachvollziehbare Wunsch
der falsche Ausgangspunkt ist.
Denn wenn wir fragen: „Wie verhindere
ich das um jeden Preis?", dann kämpfen
wir gegen, ja gegen was eigentlich?
Gegen uns selbst.
Wir erzeugen mehr Druck, mehr
Angst, mehr Anspannung und das
reguliert kein Nervensystem.
Nicht dein eigenes und auch
nicht das deines Kindes.
Die Fragen, die ich stattdessen
einladen möchte, sind andere:
Woran merke ich frühzeitig,
dass ich an meine Grenze komme?
Und was brauche ich, nicht mein Kind,
nicht die Situation, was brauche
ich, um handlungsfähig zu bleiben?
Und dabei geht es nicht um
Selbstoptimierung, nicht um Perfektion.
Diese Fragen sind eine
Einladung zur Selbstbeobachtung.
Mit Wohlwollen, mit echter zugewandter
Neugier und ohne Bewertung.
Und ich sage das aus eigener Erfahrung:
Es gibt Momente, in denen merke ich, boah,
da zieht sich etwas in mir zusammen, da
stockt mir der Atem, da spannt sich mein
Körper an und meine innere Stimme wird
schon schärfer, bevor dann auch vielleicht
das, was ich selber sage, laut wird.
Und das sind meine Signale und
ich hab gelernt, sie zu erkennen.
Das gelingt nicht immer,
aber öfter als früher.
Und das ist schon viel wert.
In der nächsten Folge
bin ich nicht alleine.
Da werde ich mit Kristin sprechen und
ich freue mich sehr auf dieses Gespräch.
Ähm, sie ist wie ich Coach für
friedvolle Elternschaft, aber
auch Trainerin für gewaltfreie
Kommunikation nach Marshall Rosenberg.
Sie arbeitet also mit Sprache,
mit Ausdruck und mit Mitgefühl.
Und ich glaube, sie bringt genau das
mit, was jetzt noch fehlt: Eine Sprache
zu finden für das, was danach kommt.
Wir werden darüber sprechen, was
schützende Gewalt bedeutet und wann
Grenzen setzen Fürsorge ist, was in dem
Moment helfen kann, wenn das Nervensystem
schon im Alarmzustand ist und auch
wie Wiedergutmachung aussehen kann.
Nicht als Schuldabtrag,
sondern als Beziehungspflege.
Denn darum geht es ja am Ende nicht um
Perfektion, sondern um die Fähigkeit,
wieder in Verbindung zu kommen.
Du erinnerst dich an den Anfang der Folge.
Ja, und zum Abschluss dieser Folge
möchte ich dich feiern und dich
wertschätzen für den Mut, dir diese
Folge bis zum Ende anzuhören und
vielleicht sogar noch mal anzuhören.
Das zeigt, dass du bereit
bist, Verantwortung für dein
Handeln zu übernehmen, dass du
dein Kind schützen möchtest.
Und deshalb will ich dich gerne noch mal
daran erinnern: Du musst nicht perfekt
sein, aber du kannst genau hinschauen.
Und das ist der Anfang von Veränderung.
Friedvolle Elternschaft beginnt
nicht da, wo nichts passiert, sondern
da, wo wir genauer hinschauen.
Und zum Schluss noch ein Hinweis: Dieser
Podcast, der wird durch dein Feedback
und deine Erkenntnisse lebendig.
Also lass mir gern eine Bewertung da,
teile deine Gedanken entweder in den
Kommentaren oder schick mir 'ne Nachricht.
Und ja, mit einem Podcast-Abo und
einer Fünf-Sterne-Bewertung hilfst du
mir, auch noch mehr Mamas zu erreichen
und diese wundervollen und bewegenden
Gedanken rund um die friedvolle
Elternschaft in die Welt zu tragen.
Und denk daran, Frieden wächst von
innen und strahlt in die ganze Familie.
Bis zum nächsten Mal, deine Julia.